Zur Gruppe

KJDT – ein KünstlerInnen-Kollektiv mit Sitz in Wien – setzt sich mit dem disparaten, teilweise noch unerforschten Gesamtmaterial des deutschen Dramatikers Heiner Müller auseinander. Mit dem Vorhaben, das Gesamtmaterial des Dichters zu erarbeiten, unternimmt KJDT seit 2006 theatrale Versuche in verschiedenen Personenkonstellationen. Dabei bringen sich alle Beteiligten gleichberechtigt, ohne hierarchische Zwänge in den künstlerisch-sozialen Prozess ein. Die Überwindung von Grenzen im künstlerischen, territorialen und sozialen Sinne ist ein Hauptanliegen der Gruppe. So entstanden Reisen und Projekte von Wien über Berlin bis Moskau, als auch Kontakte mit KünstlerInnen aus Russland, Ukraine, Serbien, Bosnien, Kroatien, Slowakei und Italien. Die Projekte werden genre-übergreifend in Kooperation mit anderen KünstlerInnen und Gruppierungen erarbeitet.

 

Vorgeschichte

Ausgangspunkt des Projekts war ein Gespräch zwischen Aziza Haas, Heiner Müller und Josef Szeiler im Jahr 1992, in dem es die Überlegung zu einer vollständigen Erarbeitung und Aufführung aller Texte von Heiner Müller gab:

 

„Heiner Müller: Josef, wir müssen jetzt einen Vertrag machen. Zu meinem neunzigsten Geburtstag, wenn ich tot bin, mußt du eine Show mit den wichtigsten Texten von mir machen. Die dauert vierundzwanzig Stunden. Genauso, wie du das jetzt gesagt hast. Wir reden noch darüber, welche Texte das sind. Ich stelle mir das ganz toll vor – unabhängig von mir -, daß man Texte eines Autors in einer Woche durchmacht.

 

Josef Szeiler: Vielleicht kann man das verkürzen auf deinen siebzigsten Geburtstag. Deinen neunzigsten erlebe ich vielleicht nicht mehr, du schon. (…) Man müßte dein ganzes Material zeitlich strukturieren, quer durch die Stücke eine Struktur finden: vielleicht in vierundzwanzig Teilen, ganz technisch, dadurch ist natürlich alles zerstört, aber was bleibt, trotz alledem, ist eine Klangskulptur. Man könnte die Wolokolamsker ziehen, das ist wie in der Todesanzeige: ein Hund kam in die Küche…“

 

(aus: Aziza Haas, TheaterAngelusNovus, Tod des Hektor)

 

Eine Umsetzung dieses Vorhabens – Titel: JENSEITS DES TODES - wurde für 1996 am Berliner Ensemble geplant, konnte aber aufgrund des Todes von Heiner Müller (†1995) nicht mehr realisiert werden.

 

Beteiligte (2013)

Sebastian Brunner, geb. 1988 in Deutschland.

Nach jahrelanger Tätigkeit als ehrenamtlicher Veranstalter von Konzerten und Lesungen ist er Mitgründer eines unabhängigen Musikverlages. Seit 2009 betätigt er sich als Hospitant und Assistent im Theater, u.a. in Passau und Wien. Begleitend wirkt er seit Jahren an (szenischen) Lesungen, Performances im öffentlichen Raum und Videoproduktionen mit. Derzeit lebt und studiert er (Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Vergleichende Literaturwissenschaft) in Wien.

 

Katarína Csányiová, geb. 1982 in der Slowakei.

Lebt und arbeitet in Wien und in Bratislava. Magistra der Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien (2008), Absolventin der slowakischen Schauspielschule Biele Divadlo. Derzeit studiert sie Performative Kunst bei Carola Dertnig an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Mitarbeit bei zahlreichen Projekten in Bratislava (SK), Brünn (CZ), Innsbruck, Wien (A) und Mexiko. Arbeitet im Bereich Video, Performance, Foto, Theater.

 

 

Melanie Hollaus, geb. 1980 in Österreich.

Sie lebt und arbeitet als freischaffende Filmemacherin in Wien und Innsbruck und ist in den Bereichen Video-/Medienkunst und Performance/Theater tätig. im Zuge verschiedenster Projekte beschäftigt sie sich mit den Schnittstellen zwischen Video, Architektur und Performance.

 

 

Anežka Jaburkova, geb. 1989 in Tschechien.

Sie studiert seit 2011 Kunstgeschichte an der Universität Wien.

 

 

Andreas Pronegg, geb. 1969 in Österreich.

Theatermacher und  Schauspieler. Neben Landschaftsinstallationen und Inszenierungen von Ortschaften unter Beteiligung der EinwohnerInnen erarbeitet er seine theatralen Entwürfe in wechselnden Formationen unter Einbeziehung der jeweiligen Architekturen.

Theaterarbeiten in Österreich, Schweiz, Italien, Deutschland, Frankreich, Montenegro, Griechenland, Russland. Einladungen zu zahlreichen nationalen und internationalen Festivals.